Abschrift FAZ: Montag, 7. Juli 2008 · Nr.156 · Seite 43


Berliner Freiheit- in einer alten Möbelhaus-Etage


Der Bund Bildender Künstler
nutzt in Darmstadt eine leer-
stehende Immobilie zu einer
bemerkenswerten Aktion.

Von Rainer Hein

DARMSTADT Darmstadt ist nicht Berlin, aber ...

... Malwitz hat die neue Darmstädter Raumfreiheit genutzt, um statt in die Höhe oder Breite in die dritte Dimension zu gehen: Sein großformatiger Würfel hängt von der Zwischendecke herab und darf als satirisches Spiel mit dem Galerieerleben betrachtet werden - der Betrachter muss nicht von Bild zu Bild gehen, sondern kann einfach den Würfel drehen. Auch der Iranerin Sadri bot das Großatelier die Möglichkeit, eine ganze Reihe unterschiedlich großer Leinwände zu bearbeiten, deren Motive sich um den Mithras-Kult drehen.
Zum experimentellen Charakter der Malaktion gehört ein besonders großes Gruppenbild mit Dame. Nold, Malwitz, Herbsthofer und Keller hatten vor Wochen ein Modell zu Gast, dessen Schattenriss sie auf eine fast sechs Meter lange Leinwand projizierten. Nachdem sie die Form des weiblichen Körpers fixiert hatten, griffen sie zu Pinsel und Farbe und malten "wie im Rausch". Mittlerweile ist von Figürlichkeit nichts mehr zu erahnen, aber noch ist die Arbeit auch nicht abgeschlossen. "Offen ist, wer den letzten Strich macht", sagt Malwitz und lächelt spitzbübisch. Das wird von seinen Mitstreiterinnen derart innig erwidert, dass man keine Wette eingehen möchte, wer beim Stolze-Wandbild das letzte Wort spricht.

Die Ausstellung im Stolze-Haus, Neckarstraße 4-6, ist bis zum 20. Juli zu sehen, donnerstags von 18 bis 20 Uhr, samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr. Am 9. Juli referiert Hildegard Parekh über "Verborgen unter der künstlerischen Oberfläche" (20 Uhr). Informationen über das Programm: www.bbk-darmstadt.de.

Stolzehaus
Foto Agata Skowronek
Im Atelier auf Zeit: Eberhard Malwitz und Zoya Sadri vom Bund Bildender Künstler